Kasernenentwicklung versus Baugebiet Boßwenhain

 

Bürgermeister gerät in Kritik

„Mit erheblichen Schuldzuweisungen und vielen offenen Fragen sah sich Bürgermeister Achim Knoke anlässlich der letzten Sitzung des Ausschusses Konversion Kaserne konfrontiert.“ Dies berichtet die CDU-Fraktion, deren Mitglied Günther Eckert Vorsitzender des Konversionsausschusses ist. Der Ausschuss hatte am vergangenen Donnerstag (22.) öffentlich getagt.
Ausgangspunkt der Aussprache war eine schriftliche Stellungnahme der Mitglieder der Konversionsgesellschaft, Markus und Kevin Aumann sowie Daniel Beitlich, die sich vehement gegen das geplante Baugebiet Boßwenhain im Norden der Stadt und insbesondere gegen den dort geplanten Standort für einen Lebensmittelvollversorger zur Wehr setzen.
Basis ihrer Kritik ist der bestehende Kooperationsvertrag mit der Stadt Babenhausen, in dem explizit vereinbart worden war, dass außerhalb des geplanten Standorts auf dem ehemaligen Kasernengelände zu gleicher Zeit keine weiteren Einkaufsmärkte in Babenhausen entstehen dürfen. Die Brüder Aumann und Daniel Beitlich werfen dem Bürgermeister vor, dass er „quasi im stillen Kämmerlein“ ohne ein Wort der Information und parallel zur Konversion des Kasernengeländes die Entwicklung eines neuen Baugebietes im Bereich Boßwenhain mit 100 Wohneinheiten und einem Tegut-Markt vorantreibe.
„Wissen muss man in diesem Zusammenhang, dass der Bürgermeister selbst Mitglied der Konversionsgesellschaft ist, da die Stadt Babenhausen einen Anteil von 6 % an der Gesellschaft hält“, schreibt die CDU-Fraktion. Umso unverständlicher ist es aus ihrer Sicht, dass Knoke im vollen Wissen um den Inhalt des Kooperationsvertrages bereits auf das Vorkaufsrecht der Stadt beim geplanten Tegut-Gelände verzichtet und damit dem Investor des Tegut-Marktes die Möglichkeit gegeben hat, erste Grundstücke zu erwerben. „Die Drucksache für den Stadtverordnetenbeschluss zum Verkauf der Grundstücke liegt bereits vor“, bestätigt die CDU-Fraktion die vom Bürgermeister geschaffenen Tatsachen und sieht damit – wie die Herren Aumann und Beitlich – eine Gefährdung der erfolgreichen Kasernenentwicklung. „Ganz Babenhausen spricht von einem Jahrhundertprojekt und freut sich auf die rasche Entwicklung eines neuen Stadtteils Kaisergärten auf immerhin 65 Hektar, größer als die komplette Altstadt. Und was tut unser Bürgermeister? Er setzt plötzlich andere Prioritäten“, kritisiert die CDU. So schreibt Knoke in seiner Stellungnahme, „eine Wohngebietsentwicklung und damit einhergehend eine Ortsrandarrondierung und Ortseingangsgestaltung sowie die Konversion einer Gewerbefläche entsprechen stadtplanerisch der am höchsten anzusetzenden Priorität“.
Die CDU-Fraktion vertrete auch weiterhin den Standpunkt, dass alle gemeinsam – die Investoren, die Stadtverwaltung und die politischen Gremien der Stadt – mit Fairness, Offenheit und Vertrauen ihre gemeinsame Energie dafür aufbringen sollten, möglichst bald Baurecht auf dem ehemaligen Kasernenareal, den künftigen „Kaisergärten“, zu schaffen. „Weitere Baugebiete in der Größenordnung von Boßwenhain gefährden diese Entwicklung und sie vernichten weitere, wertvolle landwirtschaftliche Flächen, sie erfordern enorme Kosten in die Infrastruktur, wie Verkehrswege und Kita-Angebote, und sie blockieren erhebliche Ressourcen im Bauamt. Wir halten es für ausreichend, wenn in der Innenstadt die Wohnbebauungen auf dem Gelände der Gärtnerei Grünewald und hinter dem VW-Schulungszentrum abgeschlossen werden.“
In den Kaisergärten sollen in absehbarer Zeit mehr als 2000 Menschen wohnen und arbeiten. Damit dürfte Babenhausen seine Wachstumsziele mehr als erfüllen und könnte sich darauf konzentrieren, den schon so oft zitierten Investitionsstau bei Straßen, Brücken und im Kanalbau abzubauen. „Wir hoffen und wünschen uns, dass diese Erkenntnis bald auch bei unserem Bürgermeister und seinem Magistrat Einzug hält.“