„Elternlotsen“ als Vermittler: Konzept für mehr Integration und bessere Bildungschancen

Auch in Babenhausen gibt es Armut. Nicht nur in materieller Hinsicht, sondern auch in sozialen und emotionalen Belangen. Die Leidtragenden sind häufig die Kinder. Chancen auf eine bessere Bildung bleiben ihnen oft verwehrt, denn das Elternhaus kann – aus verschiedenen Gründen – nicht die benötigte Unterstützung leisten. Erst im Herbst vergangenen Jahres hatte die Regionalkonferenz Babenhausen unter der Überschrift „Wege aus der Armut“ Möglichkeiten aufgezeigt, die die Bildungs- und Teilhabechancen der Menschen in Babenhausen fördern könnten.

 

„Wir sind alle Babenhäuser!“ – das ist das Motto von Monika Heinlein (CDU-Fraktionsmitglied), mit dem sie ein neues Integrationskonzept in Babenhausen einführen will. Aus den generellen Forderungen nach Integration und verbesserten Bildungschancen müssen, so Heinlein, nun konkrete Maßnahmen werden. Ihr Motto soll zum Ausdruck bringen, dass diese Stadt durch Zusammenhalt geprägt sein soll („Jeder hilft jedem“), aber auch durch die Bereitschaft, aufeinander zuzugehen und zusammenzuarbeiten. Dabei geht es vor allem um die Bildungschancen der Kinder aller Bevölkerungsschichten, Hauptaugenmerk liegt auf den Kindern und Jugendlichen aus Zuwanderungsfamilien und Hartz-IV-Familien. „Diese Kinder, aber vor allem die Eltern, müssen von erfahrenden Helfern und Ratgebern ‚abgeholt’ werden. Das muss jemand sein, der in der Lage ist, die zugewanderten Eltern oder die sozial schwachen Eltern an die Themen Bildung, Schule und Erziehung heranzuführen und für eine Zusammenarbeit zu motivieren. Da geht es um Überwindung von Sprachbarrieren ebenso wie um Abbau bürokratischer Hürden, vor allem aber um themenspezifische und kultursensible Unterstützung in allen Belangen der Erziehung und Bildung.“

 

Kern des Integrationskonzepts ist demnach die Einführung sogenannter „Elternlotsen“. Die Idee der Elternlotsen ist nicht neu, in Städten wie Hamburg und Bremen beispielsweise laufen erfolgreiche Projekte. Auch Monika Heinlein war aktiv und hat sich unabhängig von den Experten der Regionalkonferenz Gedanken zum Thema gemacht. „In Babenhausen leben 75 Nationalitäten. Wir haben mehr Hilfeempfänger als der kreisweite Durchschnitt. Hier leben vergleichsweise viele Arbeiterfamilien von niedrigen Löhnen. Wir haben das Erloch – einen sozialen Brennpunkt mit Gefahr der Ausgrenzung.“ Nach Ansicht Heinleins ist es wünschenswert, wenn auf beiden Seiten ein besseres gegenseitiges Verständnis aufgebaut wird. „Viele Eltern sind ja grundsätzlich bereit, sich für die Bildung ihrer Kinder zu engagieren und mit den Einrichtungen zusammenzuarbeiten. Oft kommt es dann aber zu Irritationen – die Eltern haben beispielsweise andere Einstellungen zu Bildung und Erziehung, können das Konzept der deutschen Schule nicht nachvollziehen und ziehen sich in der Folge zurück.“ Die Chance auf den Aufbau einer Erziehungs- und Bildungskompetenz, die den Kindern nur zuträglich sein kann, ist dann vertan. Kindergarten und Schule bleiben diesen Eltern fremd – zum Nachteil der Kinder, die die Unterstützung ihrer Eltern bräuchten. “Aktivierende Elternarbeit“ ist daher auch der Leitgedanke des Konzepts, dessen Einführung Monika Heinlein für die CDU Fraktion Anfang März bei der Stadtverordnetenversammlung beantragt hat.

 

Heinleins Idee wurde bei der jüngsten Sitzung des Sozialausschusses weiter beflügelt, als die Ergebnisse der Regionalkonferenz Babenhausen „Wege aus der Armut“ vorgestellt wurden. „Die Einführung von Elternlotsen kann einen Großteil der angesprochenen Probleme lösen. Die Elternlotsen, oft mit eigenem Migrationshintergrund oder eigenen Erfahrungen mit Armut, können Brücken bauen zwischen den Bildungsinstitutionen und den Eltern.“ Wenn es nach Heinlein geht, sollen letztlich alle Bevölkerungsschichten von dem Konzept profitieren können. Es soll ein Integrationskonzept nicht nur für Migranten sein, sondern es kann andere Betroffene - Hartz IV-Empfänger, Alleinerziehende und sozial Schwache wie etwa Rentner - in der Kernstadt und den Stadtteilen einschließen. Die Elternlotsen können hier ebenfalls Vermittlerfunktionen wahrnehmen oder als Begleiter, etwa bei Behördengängen, fungieren.

 

Wie geht es weiter mit der Idee der Elternlotsen? Der CDU-Antrag liegt nun zur Entscheidung bei der Stadtverordnetenversammlung. Sollte dem stattgegeben werden, gelte es zunächst, ehrenamtliche Elternlotsen zu qualifizieren und dann in ihrer Arbeit zu begleiten. Erfreulicherweise habe Jutta Krüger vom Fachbereich Soziales und Familie der Stadtverwaltung die Idee bereits aufgenommen und Recherchen zum Thema „Elternlotsen“ unternommen. „Ein gutes Zeichen, dass Bewegung in die Sache kommt, “ meint Heinlein, die fest davon ausgeht, dass sich viele Menschen finden, die diese künftige Aufgabe gerne wahrnehmen. Das hieße ein Stück mehr Integrationserfolg und Bildungskompetenz für Babenhäuser Familien.

20.03.2012